Aktuelles

Infoabend zur dualen Ausbildung zur Erzieherin

Ein Jahr Berufskolleg, zwei Jahre Fachschule für Sozialpädagogik, ein abschließendes Anerkennungsjahr. Dies ist der traditionelle Verlauf der Ausbildung zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher an der Beruflichen Schule für Ernährung.Pflege.Erziehung Bad Mergentheim (EPE). Ab dem kommenden Schuljahr soll nun an der EPE eine dreijährige praxisintegrierte Ausbildung (PIA) als Alternative angeboten werden. Ziel des Modells der praxisintegrierten Ausbildung in Baden-Württemberg ist die Gewinnung zusätzlicher Bewerber in Zeiten eines großen Fachkräftemangels im Erziehungsbereich, der auch im Main-Tauber-Kreis mittlerweile deutlich zu spüren ist. So kann zum Beispiel Quereinsteigern die Chance eröffnet werden, sich für den Erzieherberuf zu qualifizieren. Vor allem für Menschen, die aus anderen Berufszweigen kommen oder eine Familie zu versorgen haben, kommt sehr häufig nur eine Ausbildungsform in Frage, während der ein Einkommen erzielt wird. PIATeilnehmer verdienen bereits im ersten Ausbildungsjahr um die 1100 Euro im Monat, im letzten rund 1300 Euro. Dafür müssen die Auszubildenden den praktischen und schulischen Teil im Pensum eines normalen Arbeitnehmers bewältigen. Sie haben keine Schulferien, sondern reguläre Urlaubstage. Ein wichtiger Pluspunkt des Modells ist die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Während der dreijährigen Ausbildung verbringen die Auszubildenden drei Tage in der Schule, den Rest der Woche arbeiten sie in den Kindertagesstätten. Dies schafft vielfältige Möglichkeiten, praktische Erfahrungen und Unterrichtsinhalte unmittelbar zu verzahnen. Träger schätzen an der Ausbildung, dass die Mitarbeiterbindung ab dem ersten Tag gefördert wird und für mindestens drei Jahre sicher ist. Bevor eine Festanstellung ausgesprochen wird, kann die künftige Fachkraft drei Jahre lang beobachtet werden. Und: Bei der Übernahme ist sie bereits gut eingearbeitet. Die EPE bietet am 24.10.2019 um 20 Uhr im Berufsschulzentrum Bad Mergentheim einen Infoabend zur PIA an. Man erfährt hier mehr über Rahmen und Organisation der Ausbildung, sowie über die Inhalte. Persönliche Fragen können individuell geklärt werden.

EPE startklar für die Zukunft

Berufsfachschule für Altenpflege bietet ab 2020 die generalistische Pflegeausbildung an

Im Januar 2020 tritt das neue Pflegeberufegesetz in Kraft. Damit ändern sich die  Rahmenbedingungen in der Pflegeausbildung. Die neue generalistische Ausbildung soll die drei Berufsbereiche „Altenpflege“, „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ sowie „Gesundheits- und Krankheitspflege“ zu einem neuen Berufsbild vereinen. Ziel ist es, den Schülerinnen und
Schülern eine attraktivere und breitere Basisqualifikation in der Pflege zu vermitteln.

Für die Pflegeschulen bedeuten die Veränderungen neue Herausforderungen: Die Schüler/innen werden nach einem gemeinsamen Lehrplan unterrichtet. Im dritten Schuljahr besteht die
Möglichkeit, sich auf die Altenpflege zu spezialisieren. Es kann dann der Berufsabschluss „Altenpflegefachkraft“ erworben werden. Die Schüler*innen können aber auch die generalistische Ausbildung zur/zum „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ weiterführen. Beide Möglichkeiten wird die EPE anbieten.

Die Berufsfachschule für Altenpflege der EPE in Bad Mergentheim bietet seit 1989 die Ausbildung zum/zur „Altenpfleger/in“ und zum/zur „Altenpflegehelfer/in“ an. Erfahrung und akademisch qualifizierte Lehrkräfte der Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik, Psychologie, Biologie und Gerontologie garantieren eine hohe Ausbildungsqualität. „Wir sind gut gerüstet für den Start der neuen Ausbildung!“, so Abteilungsleiterin Martina Schmalbach. Die Berufliche Schule für Ernährung.Pflege.Erziehung stellt damit in Kooperation mit ihren zahlreichen Partnern die fachgerechte Altenpflege im Main-Tauber-Kreis sicher. Die räumlichen Rahmenbedingungen dafür wurden 2012-2014 mit dem Neubau des Fachraumzentrums bereits gelegt.

Dass die neue Ausbildung auch mit Blick auf die Unterschiedlichkeit der Schüler/innen (Vorbildung, Alter, Nationalität, Zielsetzung) spannend wird, steht für alle Beteiligten außer Frage. „Heterogenität ist für unsere Lehrkräfte, die auch in anderen Schularten unterrichten, Tagesgeschäft. Gute Kontakte zwischen Schule und den Einrichtungen der praktischen Ausbildung sind unsere Stärke.“, führt Schmalbach weiter aus.

Aktuelle arbeitet das Sozial- und Kultusministerium an der Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes in Baden-Württemberg. „Wir hoffen auf schnelle Ergebnisse, die uns dann auch erlauben, konkrete Informationen an die Ausbildungsbetriebe und Kooperationspartner zu geben!“, sagt die Abteilungsleiterin. Zusammen mit Vertretern der Evangelischen Heimstiftung, des Saarländischen Schwesternverbandes, der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Bad Mergentheim wurde bereits im September in einem Ausbildungszirkel über die neuen Anforderungen beraten (FN-Bericht). Hierzu ist auch das Beratungsteam „Altenpflegeausbildung“ des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben durch Andreas Boecker in ständigem Kontakt mit den Akteuren. Den Teilnehmern des Ausbildungszirkels ist klar, dass Handlungsbedarf auf allen Ebenen besteht, der Bund, das Land, aber auch der Landkreis sind hier in der Verantwortung. „Damit dieses gelingen kann, müssen wir noch mehr Kräfte in die Ausbildung von Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern investieren!“, so Martina Schmalbach.

Eine Konkurrenzsituation mit anderen Anbietern sieht die Abteilungsleiterin nicht. Es werden dringend neue Pflegefachkräfte in der Region und im Kreis gebraucht. Wenn Pflegeschulen, Träger der praktischen Ausbildung und der Landkreis an einem Strang ziehen, kann die neue Ausbildung ein Erfolg werden. Eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in der Pflege kann sich der Main-Tauber-Kreis, genau wie andere Kreise, nicht leisten. „Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen aller Altersklassen in unserer Heimat auch in Zukunft fachgerecht und mit Herz versorgt werden können.“, gibt Schmalbach abschließend zu bedenken.

Lizenz zum Aktivieren

Zwei Lehrkräfte der Berufsfachschule für Altenpflege erhalten die SimA©-Trainerlizenz

Basteln, Tanzen im Sitzen, Igelball-Massagen – Einrichtungen der Altenpflege bieten
vielfältige Tätigkeiten an, um Bewohner zu „aktivieren“. Schon jahrelang werden
AltenpflegerInnen im Rahmen der dreijährigen Ausbildung an der EPE in
Bad Mergentheim auch im Bereich der Aktivierung und Betreuung qualifiziert. Doch
was hilft wirklich bei der Aufrechterhaltung von Selbstständigkeit im höheren Alter?
Welche Interventionen zeigen auch bei Menschen mit Demenz Erfolge?

In einer ab 1991 durchgeführten Längsschnittstudie der Universität Erlangen-
Nürnberg zeigte sich, dass eine regelmäßig durchgeführte Kombination aus
kognitivem und psychomotorischem Training bei fitten Senioren die
selbstständige Lebensführung, das Gedächtnis und die Gesundheit
verbesserten. In einer nachfolgenden Studie konnte mit einem adaptierten
Interventionsprogramm für Menschen mit Demenz ebenfalls positive
Effekte erzielt werden. Auf der Grundlage dieser Studien wurde mit der
Diakonie Neuendettelsau das SimA©-Programm entwickelt. Es dient der
Unterstützung der Lebensgestaltung fitter Senioren, bietet aber auch wertvolle
Ansätze zur Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen im kognitiven
Bereich. Es ist durch seine wissenschaftliche Belegbarkeit einzigartig auf dem
Markt der Aktivierungsmöglichkeiten. Nach dem Besuch mehrerer Module und
einer abschließenden Prüfung konnten sich die Fachlehrer Stefanie Grimm und
Roland Stammel der Berufsfachschule für Altenpflege der EPE zum
SimA©-Trainer qualifizieren. Vor dem Hintergrund der kommenden Generalistik
der Pflegeberufe und auch dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist ein
solches Konzept im Bereich der aktivierenden Angebote hoch bedeutsam.
Mit der erworbenen Trainer- und Schullizenz bietet die Berufsfachschule für
Altenpflege ihren SchülerInnen damit die Möglichkeit, wissenschaftlich
fundiertes Wissen in die Praxis und Kompetenzen im Bereich Unterstützung der
Lebensgestaltung begründet und strukturiert umzusetzen.

Bild (von rechts nach links):

Martina Schmalbach (Abteilungsleitung Altenpflege)
Stefanie Grimm (Fachlehrerin)
Roland Stammel (Fachlehrer)
Anke Mund (Schulleiterin)